Primavolt Magazin

LNG-Gas: Zwischen Versorgungssicherheit und Klimadebatte

LNG steht für „Liquefied Natural Gas“, also verflüssigtes Erdgas. Chemisch betrachtet handelt es sich dabei überwiegend um Methan (CH₄) – denselben Hauptbestandteil, der auch durch herkömmliche Gasleitungen fließt und in Heizungen oder Gaskraftwerken verbrannt wird. Der Unterschied liegt nicht im Stoff selbst, sondern im Aggregatzustand und in der Transportform.

Im gasförmigen Zustand hat Erdgas ein sehr großes Volumen. Das macht den Transport über lange Strecken ohne Pipeline wirtschaftlich schwierig. Um dieses Problem zu lösen, wird das Gas in speziellen Anlagen stark heruntergekühlt – auf etwa –162 Grad Celsius. Bei dieser Temperatur wird Methan flüssig, ohne dass hoher Druck nötig ist.

Durch die Verflüssigung verringert sich das Volumen auf etwa ein Sechshundertstel des ursprünglichen Gasvolumens. Anders gesagt: 600 Kubikmeter Erdgas ergeben verflüssigt nur noch etwa 1 Kubikmeter LNG. Erst diese enorme Volumen Reduktion macht den weltweiten Transport per Schiff praktikabel.

Warum ist LNG Gas unabhängig von Pipelines?

Das verflüssigte Erdgas wird in speziell isolierten Tanks gelagert, die wie riesige Thermoskannen funktionieren. Diese Tanker sind technisch hochentwickelt, um das extrem kalte Gas sicher zu transportieren. Trotz der Isolierung verdampft ein kleiner Teil vom Flüssigerdgas während der Reise. Dieses sogenannte „Boil-off-Gas“ wird meist direkt als Treibstoff für das Schiff genutzt.

Am Zielort wird das Gas in einem Importterminal wieder erwärmt. Dabei geht es zurück in den gasförmigen Zustand – dieser Vorgang heißt Regasifizierung. Anschließend wird es in das normale Gasnetz eingespeist und kann wie Pipelinegas genutzt werden.

Pipelinegas setzt eine direkte Leitungsverbindung zwischen Förderland und Verbrauchsland voraus. Diese Infrastruktur ist teuer, politisch sensibel und geografisch begrenzt. LNG hingegen kann weltweit verschifft werden. Länder ohne direkte Pipelineanbindung – oder mit dem Wunsch nach diversifizierten Lieferquellen – können so Erdgas von unterschiedlichen Weltmarktanbietern beziehen.

Das erhöht die Versorgungssicherheit und Flexibilität, bringt aber auch zusätzliche Kosten für Verflüssigung, Transport und Rückvergasung mit sich.

Warum spielt LNG eine so große Rolle?

LNG hat in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen, insbesondere in Europa. Der Hauptgrund: Versorgungssicherheit. Während Pipelinegas an feste Lieferländer gebunden ist, kann LNG weltweit eingekauft werden – etwa aus den USA, Katar oder Australien. Dadurch lassen sich Lieferausfälle aus einzelnen Regionen besser ausgleichen.

Um LNG nutzen zu können, braucht es spezielle Infrastruktur. Terminals an Küsten, in denen das verflüssigte Gas wieder in den gasförmigen Zustand zurückgeführt und ins Gasnetz eingespeist wird. In Deutschland wurden dafür in kurzer Zeit mehrere schwimmende und feste LNG-Terminals aufgebaut.

Wie genau wird LNG hergestellt?

Der Prozess ist technisch aufwendig:

  1. Förderung von Erdgas aus Lagerstätten
  2. Reinigung von Begleitstoffen wie Schwefel oder CO₂
  3. Verflüssigung durch starke Kühlung
  4. Transport in isolierten Spezialtankern
  5. Rückvergasung im Importland

Jeder dieser Schritte verbraucht Energie. Dadurch ist LNG in der Gesamtbilanz meist energieintensiver als Pipelinegas.

Klimabilanz: Besser als Kohle – aber nicht klimaneutral

Erdgas, und damit auch LNG, wird häufig als „sauberer“ fossiler Brennstoff bezeichnet – und das hat einen klaren Grund. Bei der Verbrennung von Gas entstehen im Vergleich zu Kohle oder Öl deutlich weniger CO₂-Emissionen. In einem Gaskraftwerk wird pro erzeugter Kilowattstunde Strom weniger Kohlendioxid freigesetzt als in einem Kohlekraftwerk.

Auch in der Wärmeerzeugung ist Gas effizienter und weniger klimaschädlich als viele andere fossile Alternativen. Deshalb galt Gas über Jahre hinweg als eine Art Brückentechnologie: eine Übergangslösung, die helfen soll, die Energieversorgung zu stabilisieren, während erneuerbare Energien ausgebaut werden.

Doch diese Bewertung greift zu kurz, wenn man nur die Verbrennung betrachtet. Denn LNG bringt zwei wichtige klimarelevante Effekte mit sich, die seine tatsächliche Klimabilanz deutlich verschlechtern können.

Methanemissionen: Das große „Aber“ bei Erdgas

Der Hauptbestandteil von Erdgas ist Methan. Und Methan ist ein besonders starkes Treibhausgas – deutlich stärker als CO₂, zumindest über einen Zeitraum von 20 Jahren. Problematisch ist, dass Methan nicht nur bei der Verbrennung, sondern vor allem bei Förderung, Verarbeitung und Transport entweichen kann. Schon kleine Leckagen reichen aus, um die Klimavorteile von Gas gegenüber Kohle erheblich zu relativieren.

Studien zeigen, dass Methanverluste entlang der Lieferkette den Klimaschaden deutlich erhöhen können. Je nach Umfang der Methanemissionen kann Gas dann nicht mehr als klimafreundliche Übergangslösung gelten, sondern zu einem ernsthaften Klimarisiko werden.

Energieaufwand für Verflüssigung und Transport

LNG ist nicht nur Gas, das „auf dem Meer“ transportiert wird. Um Erdgas in LNG zu verwandeln, muss es auf etwa –162 °C heruntergekühlt werden – ein energieintensiver Prozess. Zusätzlich wird LNG in spezialisierten, stark isolierten Tanks verschifft und muss am Zielort wieder erwärmt werden, damit es ins Gasnetz eingespeist werden kann. Dieser Prozess der Verflüssigung, des Transports und der Rückvergasung verbraucht Energie und verursacht CO₂-Emissionen.

Im Vergleich zu regionalem Pipelinegas, das direkt und ohne diese Schritte geliefert wird, fällt die Klimabilanz von LNG dadurch schlechter aus. Selbst wenn die Verbrennung sauberer ist als bei Kohle, kommt es auf die gesamte Lieferkette an – und dort kann LNG deutlich teurer sein, was den CO₂-Fußabdruck betrifft.

Wirtschaftliche Bedeutung für Verbraucher

LNG ist ein global gehandelter Rohstoff – das bedeutet, sein Preis wird nicht primär lokal oder national festgelegt, sondern auf dem Weltmarkt. Anders als bei traditionellem Pipelinegas, das oft über langfristige Lieferverträge mit festen Preisen oder Preisformeln abgesichert wird, unterliegt LNG deutlich stärkeren Marktdynamiken. Das hat direkte Auswirkungen auf Verbraucherinnen und Verbraucher, weil die Beschaffungskosten letztlich in die Endpreise einfließen.

Der LNG-Preis hängt von drei großen Faktoren ab:

  1. Angebot: Neue LNG-Exportkapazitäten, wie sie etwa in den USA, Katar oder Australien entstehen, erhöhen das verfügbare Angebot. Gleichzeitig können technische Probleme, Wartungen oder politische Entscheidungen in Förderländern die Liefermenge drosseln. Ein Rückgang des Angebots führt meist zu spürbar höheren Preisen.
  2. Nachfrage: Die Nachfrage nach LNG ist weltweit stark von der Entwicklung in großen Importländern abhängig. Besonders Asien (China, Japan, Südkorea) spielt eine entscheidende Rolle. Wenn dort die Nachfrage steigt – zum Beispiel wegen kalter Winter – konkurrieren diese Länder mit Europa um LNG-Lieferungen. Das treibt die Preise nach oben.
  3. Geopolitische Ereignisse: LNG ist politisch sensibel: Konflikte oder Sanktionen können Lieferketten stören oder Investitionsentscheidungen verzögern. In solchen Situationen wird der LNG-Markt besonders volatil, weil kurzfristig weniger Gas verfügbar ist oder politische Risiken die Preise erhöhen.

Der indirekte Effekt auf Strompreise

Pipelinegas wird oft über langfristige Verträge geliefert. Diese enthalten häufig Preisformeln oder feste Konditionen, die über Jahre gelten. Dadurch sind die Preise für Verbraucher stabiler.

LNG dagegen ist häufig spotmarkt- und kurzfristig orientiert. Das bedeutet: Wenn plötzlich mehr Nachfrage entsteht oder weniger Angebot verfügbar ist, reagiert der Preis schnell und deutlich. Diese Volatilität kann sich auf den deutschen Gasmarkt übertragen – und damit auch auf Haushaltskosten.

Gas wird nicht nur in Haushalten zum Heizen genutzt, sondern auch zur Stromerzeugung. Gaskraftwerke spielen eine wichtige Rolle bei der Stromproduktion, weil sie flexibel hoch- und runtergefahren werden können. An der Strombörse wirkt sich das folgendermaßen aus:

  • Merit-Order-Prinzip: Kraftwerke werden nach ihren Grenzkosten eingesetzt. Wenn Gas teuer ist, steigen die Grenzkosten von Gaskraftwerken.
  • Preisbildung: Gaskraftwerke setzen oft den Preis am Spotmarkt, weil sie bei hoher Nachfrage kurzfristig einspringen. Steigt der Gaspreis, steigen auch die Strompreise – selbst wenn der Strom nicht direkt aus Gas erzeugt wird.

Das bedeutet: Die Preise wirken sich indirekt auch auf den Strompreis aus. Wenn Gas teurer wird, dann steigt in der Regel nicht nur die Heizkostenrechnung, sondern auch die Stromrechnung. Anbieter wie Primavolt versuchen, dem mit günstigen Stromtarifen und Gastarifen entgegenzuwirken.

Was bedeutet das konkret für Haushalte?

Für Verbraucherinnen und Verbraucher hat das mehrere Konsequenzen:

  • Höhere Heizkosten: Wenn LNG-Preise steigen, erhöhen sich die Beschaffungskosten von Gas. Diese werden in der Regel an die Endkunden weitergegeben – besonders bei variablen oder nachträglich anpassbaren Tarifen.
  • Höhere Stromkosten: Auch wenn der Stromtarif nicht direkt Gas als Energieträger nutzt, kann der Strompreis steigen, weil Gaskraftwerke am Markt den Preis mitbestimmen. In Phasen hoher Gaspreise wird Strom häufig teurer.
  • Unsicherheit bei der Kostenplanung: Die starke Volatilität von LNG macht langfristige Budgetplanung schwieriger. Haushalte können nur schwer abschätzen, wie hoch die Energiekosten in den nächsten Monaten oder Jahren sein werden.

Neue LNG-Projekte als Versorgungsbasis

LNG spielt für den Gasmarkt 2026 eine zentrale Rolle, weil sich die europäische und insbesondere die deutsche Gasversorgung strukturell verändert hat – weg von pipelinegebundenen Einzelquellen, hin zu einem stärker globalisierten Markt.

Seit dem starken Rückgang russischer Pipeline-Lieferungen ist LNG zu einer der wichtigsten Bezugsquellen für Europa geworden. Bis 2026 wird ein erheblicher Teil der europäischen Gasimporte über LNG-Terminals abgewickelt. Deutschland hat dafür eigene Import Kapazitäten aufgebaut, sodass LNG dauerhaft Teil der Versorgungsstruktur bleibt – nicht nur als Übergangslösung.

Das bedeutet: Der Gasmarkt 2026 ist deutlich stärker vom Weltmarkt abhängig als noch vor wenigen Jahren. Früher war der europäische Gaspreis stärker an langfristige Pipeline Verträge gebunden. Mit dem wachsenden LNG-Anteil orientiert sich der Preis stärker am internationalen Handel. Das hat mehrere Folgen:

  • Mehr Wettbewerb zwischen Europa und Asien um LNG-Lieferungen
  • Stärkere Preisschwankungen, etwa bei hoher Nachfrage in China oder Japan
  • Schnellere Reaktionen auf geopolitische Ereignisse

Weltweit gehen neue LNG-Exportanlagen in Betrieb, unter anderem in den USA und Katar. Diese zusätzlichen Mengen könnten das Angebot ausweiten und den Markt entspannen. Für 2026 ist deshalb ein potenziell stabilerer Markt möglich, allerdings weiterhin mit Unsicherheiten.

Zusammenhang mit Klimapolitik und CO₂-Preis

Auch 2026 spielt die Klimapolitik eine Rolle:

  • Der nationale CO₂-Preis steigt weiter.
  • Ab 2027 wird der neue europäische Emissionshandel (ETS II) eingeführt, was bereits 2026 Einfluss auf Erwartungen und Preisentwicklungen haben kann.
  • LNG bleibt ein fossiler Energieträger und unterliegt damit langfristig steigenden CO₂-Kosten.

Das heißt: Selbst, wenn sich die reinen Beschaffungskosten stabilisieren, können regulatorische Kosten steigen.

LNG ist 2026 kein kurzfristiger Ersatz mehr, sondern ein fester Bestandteil des europäischen Gasmarktes. Es sorgt für mehr Diversifizierung und Versorgungssicherheit, macht die Preisbildung aber globaler und teilweise volatiler. Wie stabil die Gasmarkt Lage 2026 tatsächlich sein wird, hängt vor allem davon ab, wie sich weltweite Nachfrage, neue Förderkapazitäten und Rahmenbedingungen entwickeln.

Zukunftsperspektive: Übergang oder Dauerlösung?

LNG ist wichtig für die klimaneutrale Energieversorgung. Es ermöglicht flexible Gaslieferungen und stabilisiert Energiemärkte. Andererseits sind hohe Investitionen in LNG-Infrastruktur nicht gut für die Klimaziele, da diese einen Rückgang fossiler Energien vorsehen.

Man könnte die Infrastruktur nutzen, um klimafreundlichere Gase wie synthetisches Methan oder Wasserstoff zu verwenden. Ob und wie sich das lohnt, wird man in den nächsten Jahren sehen.

LNG ist kein Energieträger, sondern eine Art Erdgas-Transport. Er ist technisch aufwendig, weltweit handelbar und strategisch bedeutsam. Es ist gut für die Versorgung und schadet dem Klima weniger als Kohle, aber es ist trotzdem ein Energieträger, der Probleme macht. Wie schnell erneuerbare Energien ausgebaut und alternative Lösungen entwickelt werden, ist wichtig für seine Rolle in der Energiewende.

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