Die CO₂-Bepreisung ist ein zentrales Instrument der deutschen und europäischen Klimapolitik. Sie wurde eingeführt, um Emissionen von Treibhausgasen wirtschaftlich zu verteuern und so Anreize für eine geringere Nutzung fossiler Energieträger zu schaffen. Dahinter steht das Prinzip, Klimaschäden nicht länger als „externe Kosten“ zu behandeln, sondern sie im Energiepreis sichtbar zu machen. Wer CO₂ verursacht, soll dafür zahlen – und dadurch motiviert werden, auf klimafreundlichere Alternativen umzusteigen.
Sowohl auf nationaler Ebene als auch im Rahmen des europäischen Emissionshandels verfolgt die Politik damit das Ziel, marktwirtschaftliche Mechanismen für den Klimaschutz zu nutzen. Statt ausschließlich auf Verbote oder Förderprogramme zu setzen, soll der CO2 Preis Investitionen in erneuerbare Energien, Energieeffizienz und innovative Technologien wirtschaftlich attraktiver machen. Unternehmen erhalten dadurch einen klaren finanziellen Anreiz, ihre Produktionsprozesse klimafreundlicher zu gestalten, während Verbraucherinnen und Verbraucher langfristig von einem Umbau des Energiesystems profitieren können.
Mit der schrittweisen Anhebung des CO₂-Preises gewinnt dieses Instrument zunehmend an Bedeutung – nicht nur für Industrie und Verkehr, sondern auch für private Haushalte. Denn die Bepreisung wirkt sich indirekt auf Energiepreise aus, etwa bei Heizkosten, Kraftstoffen und perspektivisch auch auf Stromtarife. Damit wird der CO₂-Preis zu einem wichtigen Faktor für die Kostenentwicklung im Energiemarkt und für die strategische Ausrichtung von Energieanbietern.
Historische Entwicklung (nationaler Emissionshandel)
Seit 2021 ist der CO₂-Preis kontinuierlich gestiegen. Ab 2026 wird er nicht mehr staatlich festgelegt, sondern in einem Preiskorridor durch Auktionen ermittelt. Ab 2027 wird der Brennstoffemissionshandel in den europäischen Emissionshandel (ETS II) überführt, sodass der Preis dann durch Angebot und Nachfrage entsteht – tendenziell auf einem höheren Niveau mit stärkerer Volatilität.
Wie beeinflusst der CO₂-Preis den Strommarkt?
Der CO2 Preis verteuert vor allem fossile Energieträger wie Erdgas und Kohle, die bei der Stromerzeugung Kohlenstoffdioxid ausstoßen. Kraftwerke, die teure Emissionszertifikate benötigen, geben diese Kosten über den Großhandel weiter – und dieser Preis findet sich langfristig auch in den Stromtarifen für Endkunden wieder.
Je höher der CO₂-Preis, desto teurer werden Strommengen, die aus fossilen Quellen erzeugt werden. Mit steigender CO₂-Bepreisung nimmt daher der Marktwert erneuerbarer Energien zu und verstärkt ihre Wettbewerbsfähigkeit am Spotmarkt.
CO₂ entsteht immer dann, wenn fossile Brennstoffe wie Kohle, Erdgas oder Öl verbrannt werden. Kraftwerke, die mit diesen Energieträgern Strom erzeugen, stoßen je nach Technologie unterschiedlich viel CO₂ aus. Erneuerbare Energien wie Wind- oder Solarstrom verursachen im laufenden Betrieb hingegen nahezu keine direkten CO₂-Emissionen.
Wie hoch sind die Emissionen pro kWh?
Die CO₂-Menge pro kWh hängt stark von der Energiequelle ab. Je höher der Anteil erneuerbarer Energien im Netz, desto niedriger fällt der durchschnittliche CO2-Wert pro kWh aus.
- Braunkohle: ca. 900–1.100 g CO₂/kWh
- Steinkohle: ca. 700–900 g CO₂/kWh
- Erdgas: ca. 350–500 g CO₂/kWh
- Wind & Solar: nahe 0 g CO₂/kWh (im Betrieb)
- Deutscher Strommix (je nach Jahr): grob 350–450 g CO₂/kWh
Was bedeutet das für Verbraucher?
Wenn ein Haushalt zum Beispiel 3.500 kWh Strom pro Jahr verbraucht und der durchschnittliche Emissionsfaktor bei 400 g CO2 pro kWh Strom liegt, entstehen rechnerisch: 3.500 kWh × 0,4 kg CO₂ = 1.400 kg CO₂ pro Jahr
Wer einen Ökostromtarif nutzt, unterstützt in der Regel den Ausbau erneuerbarer Energien. Rein bilanziell wird der persönliche CO₂-Fußabdruck dadurch deutlich reduziert, auch wenn physikalisch immer der allgemeine Strommix durch die Leitungen fließt.
Der CO₂-Preis verteuert Strom aus fossilen Kraftwerken, weil diese Emissionszertifikate kaufen müssen. Je höher also der CO₂-Ausstoß pro kWh, desto höher die Zusatzkosten für die Erzeugung – und potenziell auch für den Endkundenpreis. Strom mit niedriger CO₂-Intensität ist deshalb langfristig nicht nur klimafreundlicher, sondern oft auch preisstabiler.
Auswirkungen auf Strompreise und Stromtarife
Auch wenn der CO₂-Preis nur ein Baustein im Strompreis ist (Netzentgelte, Umlagen und Steuern spielen ebenfalls eine große Rolle), wirkt er als langfristiger Kostentreiber – insbesondere bei Strom aus fossilen Quellen:
- Direkte Preiswirkung: Wird Strom teilweise aus fossil erzeugter Energie bezogen, spiegelt sich der CO₂-Preis im Stromgrobhandelspreis wider.
- Langfristige Trends: Studien zeigen, dass steigende CO₂- und Gaspreise den Großhandelspreis für Strom langfristig nach oben treiben können.
- Erneuerbare Energien: Je höher der Anteil von Wind, Solar und anderen erneuerbaren Energien im Strommix, desto geringer ist der direkte CO₂-Preisanteil im Endkundenpreis, da erneuerbare Stromproduktion keine CO₂-Zertifikate benötigt.
Chancen für Verbraucher
- Dynamische Tarife: Seit 2025 müssen Stromanbieter dynamische Tarife anbieten, die sich stärker an Börsenpreisen orientieren, was Verbrauchenden helfen kann, Kosten zu senken, wenn sie flexibel Strom nutzen (z. B. Lastverschiebung zu Zeiten niedriger Börsenpreise).
- Eigenverbrauch & Erneuerbare: Haushalte mit Photovoltaik oder anderen erneuerbaren Quellen profitieren noch stärker, da der CO₂-Preis bei selbsterzeugtem Strom keine Rolle spielt.
Bedeutung für Stromtarife bei Anbietern wie Primavolt
Primavolt bietet Stromtarife als Teil seiner Komplettversorgungsangebote an – typischerweise mit Fokus auf Transparenz, faire Preise und einfache Vertragsstrukturen. Primavolt bezieht Strom am Großmarkt und kalkuliert seine Endpreise. Steigende CO₂-Kosten im Emissionshandel können diesen Einkaufspreis erhöhen, was langfristig Einfluss auf Tarifpreisbestandteile haben kann.
Anbieter mit stärkerem Fokus auf erneuerbare Energien im Portfolio können ihre CO₂-Preis-Risiken besser abfedern – und dies potenziell in günstigeren Tarifen weitergeben. Viele Anbieter – auch Primavolt – betonen inzwischen, wie sich Preisbestandteile zusammensetzen; CO₂-Kosten sind ein Teil der Energiebeschaffungskosten, werden jedoch oft nicht einzeln ausgewiesen.
Ausblick: Strommarkt bis 2030
Viele Prognosen gehen davon aus, dass der CO₂-Preis im europäischen Emissionshandel langfristig weiter steigen wird, um die Klimaziele zu erreichen. Das kann mehrere Effekte haben:
- Langfristig höhere Strompreise, wenn fossile Energie weiterhin eine Rolle spielt.
- Wachstum der erneuerbaren Energien, da diese keine CO₂-Kosten verursachen und damit im Markt bevorzugt werden.
- Tarifinnovationen, beispielsweise mehr dynamische oder verbrauchsabhängige Stromtarife, die Verbrauchenden helfen, Kosten bewusst zu steuern.
CO2-Preis mit Klimaprämie: Lenkungswirkung und sozialer Ausgleich im Zusammenspiel
Der CO₂-Preis und die Klimaprämie – oft auch als Klimageld bezeichnet – sind zwei eng miteinander verknüpfte Bausteine der Klimapolitik. Während der CO₂-Preis darauf abzielt, klimaschädliche Emissionen wirtschaftlich zu verteuern, soll die Klimaprämie die daraus entstehenden staatlichen Einnahmen an die Bürgerinnen und Bürger zurückgeben. Gemeinsam verfolgen beide Instrumente das Ziel, Klimaschutz wirksam und zugleich sozial ausgewogen zu gestalten.
Durch die CO₂-Bepreisung müssen Unternehmen für den Ausstoß von Treibhausgasen zahlen, etwa beim Einsatz von Benzin, Diesel, Heizöl oder Erdgas. Diese zusätzlichen Kosten werden in der Regel über höhere Energiepreise an Verbraucher weitergegeben. Der Staat erzielt dadurch Einnahmen aus dem Verkauf von Emissionszertifikaten. Genau hier setzt die Idee der Klimaprämie an: Die Einnahmen sollen pro Kopf an die Bevölkerung ausgezahlt werden – unabhängig vom individuellen Verbrauch.
Dieses Modell führt zu einer klaren Verteilungswirkung. Wer viel CO₂ verursacht, zahlt über höhere Energiepreise mehr ein, erhält aber die gleiche Pauschale wie alle anderen zurück. Wer hingegen sparsam mit Energie umgeht oder bereits klimafreundliche Alternativen nutzt, kann unter dem Strich finanziell profitieren. Dadurch bleibt die Lenkungswirkung des CO₂-Preises erhalten, während gleichzeitig soziale Härten abgefedert werden.
Gerade mit Blick auf steigende Energiepreise spielt dieses Zusammenspiel eine wichtige Rolle. Der CO₂-Preis verteuert fossile Energieträger direkt und kann auch indirekt Einfluss auf Strompreise nehmen, wenn dieser teilweise aus fossilen Quellen erzeugt wird. Eine Klimaprämie kann solche Mehrbelastungen zumindest teilweise ausgleichen und insbesondere Haushalte mit niedrigerem Einkommen entlasten.
Zusammengefasst sorgt der CO₂-Preis dafür, dass Klimaschäden einen finanziellen Wert erhalten und sich klimafreundliches Verhalten wirtschaftlich lohnt. Die Klimaprämie wiederum stellt sicher, dass die Einnahmen aus dieser Bepreisung fair verteilt werden. Erst im Zusammenspiel entfalten beide Instrumente ihre volle politische und gesellschaftliche Wirkung.
Zusammenfassung
- Der CO₂-Preis in Deutschland ist seit 2021 kontinuierlich gestiegen und wird ab 2026 marktbasiert im Emissionshandel festgelegt.
- Er verteuert fossile Energieformen und wirkt als langfristiger Treiber für Strompreise, auch wenn viele andere Preisbestandteile auf Verbraucherpreise einwirken.
- Anbieter wie Primavolt müssen diese Rahmenbedingungen bei ihrer Tarifgestaltung berücksichtigen, auch wenn sie selbst nicht direkt den CO₂-Preis festlegen.
- Die zunehmende Bedeutung erneuerbarer Energien und neuer Tarifmodelle kann Verbrauchenden helfen, Kosten und Emissionen zu reduzieren, selbst in einem Umfeld steigender CO₂-Preise.
